Eine Wohnung aufzulösen, ist selten nur eine praktische Aufgabe. Oft steckt ein Umzug ins Pflegeheim, eine Trennung oder ein Todesfall dahinter. Gleichzeitig drängt die Zeit, weil der Mietvertrag endet. Ein klarer Plan hilft dir, den Überblick zu behalten und nichts Wichtiges versehentlich wegzuwerfen.
Vorher klären: Wer darf was entscheiden?
Bevor du etwas entsorgst, kläre, wem die Sachen gehören und wer darüber entscheiden darf. Bei einem Umzug ins Heim ist das die Person selbst oder ihre rechtliche Vertretung. Nach einem Todesfall gehört der Hausrat zum Nachlass.
Als mögliche Erbin oder möglicher Erbe solltest du vorsichtig sein. Wer Sachen aus dem Nachlass verkauft, verschenkt oder entsorgt, kann damit unter Umständen das Erbe annehmen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn Schulden im Raum stehen und du über eine Ausschlagung nachdenkst. Lass dich in diesem Fall beraten, etwa vom Nachlassgericht, einem Notar oder einer Anwältin, bevor du größere Entscheidungen triffst.
Kläre außerdem mit dem Vermieter, bis wann und in welchem Zustand die Wohnung übergeben werden muss. Das bestimmt deinen Zeitplan.
Schritt 1: Wichtiges sichern
Geh die Wohnung zuerst gezielt durch, bevor du anfängst zu räumen. Such und sichere:
- Ausweise, Versicherungsunterlagen, Verträge, Kontoauszüge und Steuerunterlagen
- Testament, Vollmachten und Urkunden
- Schlüssel, Bargeld, Schmuck und Wertsachen
- Fotos, Briefe und Erinnerungsstücke, die der Familie wichtig sind
Findest du ein Testament, musst du es unverzüglich beim Nachlassgericht abliefern, auch wenn du es für ungültig oder überholt hältst. Leg alles andere an einen festen Ort, den niemand beim Ausräumen anrührt. Viele Familien finden Geld oder Dokumente erst in Büchern, Schuhkartons oder Manteltaschen. Nimm dir dafür Zeit.
Schritt 2: Was bleibt, was wird verkauft oder verschenkt?
Entscheide als Nächstes, was Familie und Freunde behalten wollen. Danach kommt alles, was noch brauchbar ist:
- Verkaufen: Gut erhaltene Möbel, Geschirr, Bücher, Werkzeug und Sammlerstücke lassen sich über Kleinanzeigen, Flohmärkte oder Ankaufhändler verkaufen. Bei vermutlich wertvollen Stücken lohnt eine Einschätzung durch einen Fachhändler oder ein Auktionshaus.
- Verschenken: Sozialkaufhäuser, Kleiderkammern und gemeinnützige Möbelbörsen nehmen vieles an. Einige holen größere Mengen auch ab. Frag vorher, was sie aktuell brauchen.
- Kleidung: Saubere, tragbare Kleidung gibst du in Kleidercontainer seriöser Sammler oder an Kleiderkammern.
Schritt 3: Was kommt wohin?
Für alles, was übrig bleibt, hilft diese Übersicht. Die Regeln im Detail legt deine Kommune fest.
| Was |
Wohin |
| Möbel, Teppiche, Matratzen, Lattenroste |
Sperrmüllabholung oder Wertstoffhof |
| Elektrogeräte, Lampen, Kabel |
Wertstoffhof oder Rückgabe im Handel |
| Batterien und Akkus |
Sammelbox im Handel oder Wertstoffhof |
| Papier, Kartons, Bücher in schlechtem Zustand |
Papiertonne oder Wertstoffhof |
| Akten mit persönlichen Daten |
vorher schreddern, dann ins Altpapier |
| Geschirr, Trinkgläser, Porzellan |
Restmüll, kein Glascontainer |
| Flaschen und Gläser |
Glascontainer |
| Farben, Lacke, Chemikalien, Spraydosen mit Inhalt |
Schadstoffmobil oder Schadstoffannahme |
| Medikamente |
je nach Kommune Restmüll, manche Apotheken nehmen sie an |
| Lebensmittel |
Biotonne oder Restmüll, Konserven ggf. spenden |
| Metall, Fahrräder, Töpfe |
Wertstoffhof oder Schrotthändler |
| Kleidung, Schuhe, Bettwäsche |
Kleidercontainer, Kleiderkammer oder Restmüll, wenn kaputt |
Weitere Hinweise zu einzelnen Abfallarten findest du in der Übersicht der Abfallarten.
Schritt 4: Die Entsorgung organisieren
Für eine ganze Wohnung reicht eine einzelne Fahrt zum Wertstoffhof nicht. Du hast drei Optionen, die du auch kombinieren kannst.
Selbst fahren: Mit einem geliehenen Transporter und ein paar Helfern bringst du Sperrmüll, Elektrogeräte und Wertstoffe sortiert zum Hof. Das ist günstig, kostet aber Zeit und Kraft. Beachte, dass viele Höfe nur haushaltsübliche Mengen pro Tag annehmen. Plane mehrere Fahrten oder kläre vorher, ob eine größere Anlieferung möglich ist.
Sperrmüllabholung: Viele Kommunen holen größere Mengen Sperrmüll ab, teils mit Begrenzung pro Termin. Melde den Termin früh an, denn die Wartezeit kann mehrere Wochen betragen.
Entrümpler beauftragen: Ein Entrümpelungsunternehmen räumt die ganze Wohnung leer, transportiert alles ab und entsorgt es. Manche verrechnen verwertbare Gegenstände mit dem Preis. Hol mehrere Angebote nach einer Besichtigung ein. Ein seriöser Anbieter nennt dir einen festen Preis oder eine klare Berechnung und stellt eine Rechnung aus. Kläre, ob die besenreine Übergabe, der Abbau von Küche und Lampen oder das Entfernen von Teppichböden im Preis enthalten sind.
Zeit und Helfer realistisch planen
Unterschätze den Aufwand nicht. Schon eine kleine Wohnung enthält Hunderte Gegenstände, über die jemand entscheiden muss. Plane deshalb mehrere Tage ein und verteile die Arbeit auf mehrere Personen. Bewährt hat sich eine Aufteilung nach Räumen: Eine Person sortiert, eine packt, eine fährt. Leg für jeden Zielort eigene Kisten oder Säcke an und beschrifte sie. Organisiere Fahrzeug, Sackkarre, Kartons, Klebeband und Handschuhe vorher. Wenn der Abschied von der Wohnung emotional schwer fällt, gönn dir Pausen und entscheide über persönliche Erinnerungsstücke nicht unter Zeitdruck. Solche Dinge kannst du auch erst einmal einlagern und später sortieren.
Schritt 5: Wohnung übergeben
Wenn alles raus ist, prüfe den Mietvertrag. Er regelt, in welchem Zustand die Wohnung zurückgegeben werden muss, etwa ob Schönheitsreparaturen anstehen oder Einbauten entfernt werden müssen. Ob eine Renovierungsklausel wirksam ist, hängt vom Einzelfall ab. Bei Unsicherheit hilft ein Mieterverein.
Vergiss nicht, Zählerstände abzulesen, Strom, Internet und Rundfunkbeitrag abzumelden und einen Nachsendeauftrag einzurichten.